Malaga hat feurigen Flamenco und fantastische Kirchen, mediterranes Licht und Sonne fast das ganze Jahr. Dazu Tapas-Bars in den Gassen der ehemaligen Medina, feinen Wein und die beste aller Eissorten. Nicht zu vergessen lebendige Märkte und subtropische Parks, Strände, an denen Sardinen auf Spießen brutzeln. Von Al-Andalus sind schicke Hammam-Bäder inspiriert…

Vor allem aber ist Malaga eine Stadt, die sich mit Kunst und Kultur neu erfindet.
Großartig sind die Museen mit zeitgenössischer und historischer Kunst. Jeden Abend lässt sich Spannendes in Sachen Musik, Film und Tanz unternehmen, vieles davon gratis. Locker könnt Ihr in Malaga sieben bis zehn Tage verbringen, ohne Euch zu langweilen. Hier unsere Highlights – ganz unten findet Ihr unseren Hotel- und Gastro-Tipp!
Malaga – Kunst, Kultur und Genuss-
Altstadt

Am schönsten ist es, sich durch die Altstadt treiben zu lassen. In Malaga ist fast alles zu Fuß machbar. Zwischen dem Fluss Guadalmedina und dem grünen Burghügel breitet sich ein Gewirr von Gassen aus, verkehrsberuhigt und mit hellem Stein ausgelegt. Eng beieinander stehen die Häuser, um in der Hitze Schatten zu bieten; oft sind ihre Ecken abgerundet, damit die kühle Meeresbrise besser zirkulieren kann. Wir stöbern in Antiquitäten- und Vintage-Läden, schauen durch offene Portale in grüne Patios.
Oft fließen die Gassen an einem Platz zusammen. Palmen und Lorbeerbäume mit langen Luftwurzeln sind wie Skulpturen inszeniert, abends stimmungsvoll beleuchtet. Plötzlich tut sich die weite Plaza de la Constitución auf, an der der Pracht-Boulevard Molina Lario startet. Er führt hinab zur Plaza de la Marina fast am Meer, wo uns das dichte Grün des Stadtparks (s.u.) aufnimmt…
Museo Picasso

Scheint unfassbar, ist aber wahr: Lange Zeit war Picasso in seiner Geburtsstadt wenig bekannt. 2003, als das Museo Picasso öffnete, fragte ein geladener Gast: „Der Bürgermeister ist da, schön und gut. Aber wann kommt Picasso?“ Da war der Künstler bereits 30 Jahre tot!
1881 erblickte er in Malaga das Licht der Welt und verbrachte hier seine Kindheit. International ist Picasso längst eine Marke – immer neue Generationen entdecken des Künstlers kreative Kraft. Kein Wunder also, dass mit der Eröffnung des Picasso-Museums Malagas Aufstieg zur Kulturstadt begann. 200 seiner Werke sind zu sehen – von ersten Zeichnungen über kubistische Meisterwerke bis zu letzten Skizzen. Und zwischendurch bietet das schattige Garten-Café Entspannung. Unser Tipp: Morgens bildet sich vor dem Museum eine lange Schlange. Ab 16 Uhr wird es ruhiger, dann hat man immerhin noch drei Stunden für Picasso. Museo Picasso, Calle San Agustín 8.
Weitere Picasso-Orte: In seinem Geburtshaus (Casa Natal) wird gezeigt, wie Malaga den Künstler rund um die Themen Stierkampf, Meer und Tauben prägte. In der Fundación Picasso nebenan gibt es noch mehr Picasso: Casa Natal de Picasso, Plaza de la Merced 15 / Fundación Picasso, Plaza de la Merced s/n
Kathedrale-
die ‚Einarmige‘

Viele Straßen Malagas tragen die Namen von Heiligen, an fast jeder Ecke steht eine Kirche. Die Barfüßigen Karmeliterinnen sind ebenso präsent wie die Bruderschaft der Vergänglichkeit. Ein Paradebeispiel für Malagas religiöse Passion ist die Kathedrale, die 1487 anstelle einer riesigen Moschee entstand.

Zur Erinnerung: Von 711 bis 1492 waren weite Teile der Iberischen Halbinsel moslemisch beherrscht. Mit der christlichen Eroberung durch die Katholischen Könige 1487 wurden Malagas Araber (und Juden) zwangskonvertiert, die Inquisition wachte über den ‚wahren Glauben‘. Das Erbe der Ungläubigen wurde christianisiert – so auch ihre Moschee. Viel wurde investiert, um aus ihr eine pompöse Kathedrale zu machen. Doch am Ende fehlte Geld für einen zweiten Turm. So heißt die Kathedrale bis heute ironisch La Manquita, die „kleine Einarmige“.

Von klein kann keine Rede sein. Die Kathedrale beeindruckt mit ihrer Weite. Wir spazieren über blank gewetzte Steine und bewundern den Wald kuppelgekrönter Säulen. Von Gold strotzende Altäre huldigen Heiligen, Gekreuzigten und Schmerzensreichen. Ein Prachtstück ist das Chorgestühl: 42 Männer und Frauen in ekstatischer Pose schweben über den Sitzen. Geschnitzt hat sie Pedro de Mena, Spaniens Star-Bildhauer des 17. Jh. Seine Spezialität war die Darstellung von Schmerz – und Schmerz war offenbar sein Tagesgeschäft, denn er war nicht nur Künstler, sondern zugleich Sklavenhändler und Mitarbeiter der Inquisition.

Über den Shop der Kathedrale gelangen wir in ein Zwischengeschoss, wo ein kleines Museum mit weiteren Heiligen aufwartet. Von der Düsternis erholen wir uns in den Gärten der Kathedrale… Catedral de la Encarnación, Calle Molina Lario 9 (inkl. Audioguide und Sakralmuseum).
Alcazaba
und Gibralfaro – arabisches Erbe

Auf dem Hügel hoch über der Altstadt türmen sich mächtige Mauern. Es sind die Reste von Alcazaba und Gibralfaro, Festungen, die die Araber im 11. bzw. 14. Jh. erbauten. „Im Wort Alcazaba steckt das arabische Wort Kasbah“, erklärt uns Guide Fernando. „Und Kasbah heißt ‚Festung‘: Hier hat der Sultan von Malaga residiert“. Die Festungen öffnen sich nicht auf ein Zauberwort von Ali Baba, sie wollen erarbeitet sein! Der Weg ist hier das Ziel…
Und so steigen wir vom Fuß des Hügels hinauf, passieren Tore mit Hufeisenbögen, rasten im Schatten dicker Mauern. Immer wieder überrascht das Grün von Hibiskus und Oleander. Dann ein kleiner Kanal, der mitten durchs Pflaster fließt. Er entspringt einem Wasserspiel, eingebettet in einen geometrisch angelegten Garten. Eine Atempause, dann geht es weiter hinauf… Schließlich erreichen wir den Palast der Alcazaba. Mit Fächerbögen, Arkaden und Stuckdekor gibt er einen Vorgeschmack auf die Alhambra in Granada… Wir machen Pause und genießen den Weitblick über Malaga. Alcazaba, Calle Alcazabilla 2, tgl. 9-20 Uhr.

Durch einen Mauergang ist die Alcazaba mit dem höher gelegenen Gibralfaro verbunden. Leider ist dieser gesperrt. Also heißt es hinabsteigen zum Fuß des Hügels und von dort neu hinauf – diesmal auf einem anderen Weg an den Burgmauern entlang. Es sind schweißtreibende 20-25 Minuten… Der Mühe Lohn: ein herrlicher Blick, Malagas Stierkampfarena liegt uns zu Füßen, der Hafen breitet sich wie eine Landkarte aus. Wir laufen über die wuchtigen Mauern, nehmen neue Perspektiven auf. Viel mehr hat die Burg allerdings nicht zu bieten. Also lassen wir uns im Café nieder und atmen tief würzigen Pinienduft ein…

Gibralfaro. Tipp: Weniger anstrengend ist es, mit Bus 35 (ab Paseo Parque) bzw. dem Sightseeing-Bus (s.u.) bis Gibralfaro zu fahren, dann zum Fuß des Hügels hinab zu laufen, um von dort die Alcazaba zu ersteigen.
Parque & Muelle Uno – entspannen!
Unter dem Blätterdach von Exoten laufen wir auf gewundenen Sandwegen und genießen den Schatten. Cotorras, kleine Papageien, schwirrend schreiend umher, es duftet nach Orangenblüten. Idylle pur – wäre da nicht das Rauschen von der mehrspurigen Avenida nebenan…

Parallel zum Parque verläuft – durch eine Straße getrennt – der Palmeral de Sorpresas, der „Palmenhain der Überraschungen“. Die 600 m lange Promenade ist von einer weiß-wellenförmigen Konstruktion überdacht, die kunstvollen Schatten wirft. Vorne schauen wir auf Jachten und Kreuzfahrtschiffe, seitlich stehen Palmen – ein toller Ort zum Relaxen in einem der Terrassenlokale.

Wo der Paseo einknickt, beginnt Muelle Uno, eine Mole mit weiteren schicken Bars und Bistros, dem Centro Pompidou (s.u.) und dem Leuchtturm Faro. Und gleich dahinter: La Malagueta (s.u.), Malagas beliebtester Badestrand.
Centro Pompidou
– poppig!
Fotogen ist der bunte Kubus, der seine Lichtreflexe weit auf die Mole wirft. Dabei ist er nur das weithin sichtbare Ausrufezeichen für eine großartige Sammlung, die in unterirdischen Sälen gezeigt wird. Spannende Gegenwartskunst – alles Leihgaben der namensgebenden Pariser Institution – beleuchten den Zustand unserer Zivilisation aus künstlerischer Sicht. Ein Museums-Shop untermauert das Gesehene mit Klassikern zur Kunstgeschichte. Auch originelle Deko-Artikel sind im Angebot. Centro Pompidou, Muelle Uno / Puerto de Málaga.
La Malagueta – Malagas zentraler Strand
Sicherlich keine Idylle mit den Hochhäusern im Rücken, gleichwohl ein guter Ort, um mitten in der Stadt das Handtuch auszurollen und in die Fluten zu springen. Er ist 1,2 km lang und wird von einer Promenade mit Radweg gesäumt, Chiringuitos (Strandbars) bieten Fisch und Erfrischungen. Alternativ: einen Sardinen-Spieß direkt an der Grillstelle am Strand kaufen! Übrigens zieht sich der Küstenweg viele Kilometer ostwärts – ideal für Biker und Hiker! Bus 11 fährt weitere Strände ab – bis zum 8 km entfernten El Palo.
Museo Carmen Thyssen – nicht nur Idyllen

Eingeklemmt zwischen verwinkelten Altstadtgassen, lohnt sich dieser Palast allein aufgrund seiner Architektur, einer Mischung aus Renaissance und Gegenwart. In hellen Sälen werden Werke spanischer Künstler des 19. Jh. gezeigt, idealisierende Darstellungen der High Society, schöne Landschaften und dramatische Meeresszenen, Meisterwerke von Zurbarán und Sorolla. Angereichert wird der Besuch durch ein Kontrastprogramm wechselnder Ausstellungen – von zeitgenössischer japanischer Fotografie bis zu Femme-Fatale-Bildern.
Tipp: Schön ist die Café-Bar Thyssen mit einem luftigen Patio. Täglich bietet Señora Flor ein gutes und günstiges Dreigangmenü. Auch für einen Kaffee oder ein Glas Wein zwischendurch eine gute Adresse. Museo Carmen Thyssen, Palacio de Villalón / Calle La Compañia 10.
Flamenco – olé!
Im Patio des Museo Thyssen stoßen wir auf eine Gruppe Flamenco-Tänzerinnen. „Wir haben uns den ganzen Tag geschminkt“, sagt Elia Borja Mena, „jetzt posieren wir für ein Video“. Dass Flamenco eine Malaga-Passion ist, haben wir schon beim Blick in Souvenir-Shops geahnt: überall werden bunte Tücher, Korallenketten und Kastagnetten angeboten. Ein halbes Dutzend Etablissements zeigt fast täglich Flamenco-Shows. So auch das Alegría am Hafen.
„Flamenco war immer angesagt“, so die Tänzerin Teresa Barbero Salcedo, „aber seit es UNESCO-Weltkulturerbe ist, gibt es einen Flamenco-Boom.“ Teresa tanzt fulminant, mit waghalsigen Pirouetten, ihre Füße in schwindelerregendem Stakkato. Wir hoffen, sie kippt nicht von der Bühne! Ihre Begleiter unterstützen sie mit Zurufen, Fingerschnalzen und Klatschen . Und auch sie bearbeiten den Boden mit kräftigen Tritten. Alegría Flamenco, Calle Vélez Málaga 6 (Muelle Uno); auch einstündige Flamenco-Workshops werden angeboten. In der Altstadt gibt es ein Flamenco-Museum.
Museo Ruso – in der Königlichen Tabakfabrik
Seit alles Russische quasi tabu ist, wird das Museum an der Playa de la Misericordia wenig besucht. Zu Unrecht! Hohe und weite Säle einer ehemaligen Tabakfabrik geben den Rahmen für Ausstellungen zur russischen Kunst. Bis 2022 waren dies Leihgaben des Museums in Sankt Petersburg, danach Werke privater Sammler. Als wir das Museum besuchen, läuft die Ausstellung „Utopie & Avantgarde“ mit revolutionärer Kunst vom Anfang des 20. Jhs. – ein grandioser Aufbruch in die Moderne! Etwas Name-Dropping? Rodschenko, Malewitsch und Kandinsky, Popova und Gontscharova…

In einem Café kann man das Gesehene sacken lassen. Wir waren ca. drei Stunden „bei den Russen“, hatten danach keine Kraft mehr, das angrenzende Museum der Mode und des Automobils zu besuchen. Von Außen sieht es prachtvoll aus – vielleicht das nächste Mal… Museo Ruso, Av. Sor Prat 15 (La Tabacalera, Carretera de Cadiz), ; Toll ist der Museums-Shop mit futuristischen Taschen, Schmuck und Souvenirs. Museo Automovilístico y de la Moda, Av. Sor Prat 15; Anfahrt: ab Alameda (Altstadt) Bus Nr. 7 oder Sightseeing-Bus blaue Linie.
Museo de Málaga – luxuriöse Zeitreise

Nach all den fantastischen Museen klingt „Museo de Málaga“ regionalistisch-langweilig. Doch weit gefehlt! Gleich beim Betreten empfängt uns ein großer Patio mit Palmen und Plätschern, ein Vorgeschmack auf den Luxus der übrigen Räumlichkeiten.

Animierte Nachbildungen von Malagas Höhlenzeichnungen zeigen, wir gut Steinzeitmenschen die Anatomie von Tieren erfassten. Erstaunlich auch, welchen Aufwand sie trieben, um sich zu schmücken. Phönizier waren es, die Malaka im 7. Jh. v. Chr. gründeten. Originalgetreu nachgebaut wurde das 2012 in der Altstadt gefundene Grab eines phönizischen Kriegers mit Bronzescharnier und Silbergefäßen.

Noch imposanter ist Malagas römisches Erbe mit saalgroßen Mosaiken und ausdrucksstarken Skulpturen. Viel erfährt man auch über Al-Andalus, Malagas lange arabische Epoche (711-1487). Müde geworden? Sessel und Sofas auf den Patio-Galerien verführen zu einer Siesta…
Dann auf in die Kunstabteilung! Vom 15. bis 20. Jh. reicht die Sammlung mit Meisterwerken von Pedro de Mena (s.o.) bis Picasso. Auch hier ist die Präsentation attraktiv und informativ… Fazit: ein Museum zum Genießen und Entspannen! Museo de Málaga, Plaza de la Aduana s/n, Eintritt für EU-Bürger frei
Museo del Vino – Stadt der Trauben
Jeder kennt Malaga-Eis, dem Sultaninen und Malaga-Wein raffinierte Süße verleihen. Die Trauben für Rosinen (pasas de Málaga) und Wein reifen auf den Bergen rund um die Stadt. Darum darf ein Weinmuseum in Malaga nicht fehlen! Wir entdecken es in einem ruhigen Altstadtwinkel gegenüber einer Kirche, die passenderweise der „Bruderschaft der Weingärten“‘ geweiht ist. Im historischen, schick modernisiertem Haus wird der Weinanbau erklärt. Nach dem Studieren das Probieren! Im Eintrittspreis sind zwei Gläser Malaga-Wein inbegriffen. Uns schmeckte v.a. Quita Penas‘ der ‚Schmerzstiller‘! Museo del Vino, Plaza de Viñeros 1
Jardín de la Concepción – Oase über der Stadt

Was macht man bei 30 Grad im Schatten? Ins Meer springen oder in den Botanischen Garten fahren! Wir entscheiden uns für den Garten über der Stadt. Stundenlang spazieren wir über labyrinthische Wege. Durch Blätter säuselt Wind, Feuchte weht uns an. Viel Schatten genießen wir im Bambus-Wald. So dicht stehen die schlanken Stämme, dass kaum ein Lichtstrahl nach unten dringt. Biegsam sind sie, aber fest, ihre Rinde glatt wie Porzellan. Über 150 Jahre sind sie alt, gepflanzt auf Wunsch der damaligen Finca-Besitzerin Amalia Heredia Livermore.
„Bring mir Samen mit“, soll sie ihrem Mann gesagt haben, als er zu weltweiten Handelsreisen startete. Im Lauf der Zeit schuf sie ein exotisches Reich mit Wasserfällen, Palmen und Orchideen, Kakteen von groß bis Bonsai-klein. Wir wandeln unter riesigen Pinien, staunen über die gigantischen Luftwurzeln einer Würgefeige und unternehmen eine ‚Reise um die Welt in 80 Bäumen‘. Zwischendurch streicheln die drei Parkkatzen…

Fazit: Ein wunderbarer Tag fern der Stadt! Einziger Wermutstropfen: das Rauschen der nahen Autobahn. Jardín de la Concepción, Camino del Jardín Botánico 3, , Di-So 9.30-20.30 Uhr (Okt.-März bis 17.30 Uhr). Der Garten ist 23 ha groß, das historische Filetstück 3 ha.
Anfahrt: Mit Bus Nr. 2 kann man werktags alle 15 Min. bis zur Endhaltestelle fahren, von dort 15 Min. zu Fuß, die Autobahn unterschreitend. Besser ist es, den mehrmals tgl. fahrenden Sightseeing-Bus zu nehmen, der auf seiner grünen Linie den Garten ansteuert. Auch wer nicht im Besitz des 24-Std.-Tickets ist, kann ihn gegen kleines Geld nutzen.
Märkte – so viel zu sehen!
Der Markt aller Märkte ist Atarazanas. Von der Altstadt aus weist ein großes Bleiglasfenster den Weg ins ‚Reich der Sinne‘. Es duftet nach Orangen, Zitronen und frittiertem Fisch. Überall überbordende Auslagen mit Fisch und Meeresfrüchten, Schinken und Wurst, marinierten Oliven, Kapern und Auberginen. An einigen Ständen kann man Tapas bestellen. Danach Lust auf einen Malaga-Wein? In der ältesten Bodega der Stadt, der Antigua Casa de Guardia, stapeln sich seit 1840 Eichenfässer, denen der süße Saft glasweise entnommen wird…

Mercado Central de Atarazanas, Calle Atarazanas 10, Mo-Sa 9-14 Uhr; Antigua Casa de Guardia, Alameda 18, Mo-Sa 11.15-22, So 11.30-15 Uhr; Mercado de Salamanca, Calle San Bartolomé / Ecke Salamanca.
CAC & Soho – im Kommen
Das hafennahe Quartier Soho wurde nach Londons Alternativ-Viertel benannt. Ein Name, der für Kunst, Queerness und Multikulti steht. Taktgeber ist das Zentrum für Zeitgenössische Kunst CAC, ihm folgt das Teatro del Soho des aus Malaga stammenden Schauspielers Antonio Banderas. Verkehrsberuhigte Straßen sind mit frechen Grafitti aufgepeppt, urban-schicke Bistros öffnen an jeder Ecke. Hotels haben sich in Soho positioniert, was aber (noch) fehlt, sind private Galerien und Ateliers.
Centro de Arte Contemporáneo, Calle Alemania s/n, (während unseres Besuchs war das CAC geschlossen). Teatro del Soho, Calle Córdoba 13.
Museo de Música – Malaga macht Musik
Flamenco live ist auch im Museo de Música zu erleben. Und natürlich werden hier Flamenco-Gitarren ausgestellt – von klassisch bis improvisiert aus Olivendosen. Im Palast werden auch grundsätzliche Fragen gestellt: Wie kam der Mensch zur Musik? Woher kam seine Lust an selbst produzierten Geräuschen? Die Reise startet beim archaischen Trommeln… Alle erdenklichen Instrumente sind ausgestellt, das Beste aber ist, dass man sie ausprobieren kann: Gitarre und Geige, Cello, Schlagzeug und Riesentrommel dürfen bearbeitet werden. Uns haben die schrägen Klänge verzaubert! Museo Interactivo de Música, Calle Beatas 15.
Museo de Jorge Rando – klein & fein
Neben roten Klostermauern wirkt die Betonfassade nüchtern. Doch dahinter öffnen sich Säle mit expressiven Gemälden des Malaga-Künstlers Jorge Rando (geb. 1941). „Ich habe mit Clochards in Köln gehaust“, steht auf einer Tafel, „und ich weiß, was es heißt, sich ausgestoßen zu fühlen.“ Die ausgestellten Porträts reflektieren seine Empathie, mannsgroße Skulpturen wirken wie Hilferufe. Sehenswert ist der Patio mit knorrigem Olivenbaum, von dem weitere Säle abgehen. Fazit: abseits ausgetretener Pfade und schön, oft finden Konzerte und Filmvorführung statt. Museo de Jorge Rondo, Calle Cruz del Molinillo 12, Eintritt frei.
Museo Revello de Toro – im Schatten der Kathedrale
Kulturell engagiert ist auch dieses kleine Museum. Wir erleben es im Rahmen eines Konzerts – vier Harfen (!) verzaubern den Innenhof. Später lernen wir, dass das Haus aus dem 17. Jh. Werkstatt des Star-Bildhauers Pedro de Mena war (s. Kathedrale). Ein effektvoll inszenierter Film führt in sein Leben ein. Das Kontrastprogramm dazu sind über 100 Gemälde des Malaga-Künstlers Revello de Toro (geb. 1926): Frauen in lasziver Pose, die sich dem (männlichen) Betrachter als Objekt der Begierde darbieten… Museo Revello de Toro, Calle Afligidos 5.
Museo del Vidrio – mehr als Glas
„Ich bin Adeliger“, betont Gonzalo Fernández-Prieto, Besitzer des Museums. „Alles, was Sie sehen, sind Familienstücke. Sie stammen aus unseren Palästen, sind für dieses bescheidene Haus eigentlich zu opulent!“ Der Ort, von dem er spricht, ist ein stattlicher Bau aus dem 18. Jh. – mit Patio, Terrakotta-Böden und Holzbalkendecken. Señor Gonzalo begleitet uns durch Räume voller Antiquitäten und weiß zu jedem Gegenstand eine Geschichte (auch auf Deutsch). Nebenbei erläutert er anhand der ausgestellten Glasobjekte die Entwicklung dieses geheimnisvollen Materials… Fazit: Eine persönliche Führung durch verflossene Deko-Epochen. Museo del Vidrio, Plaza Santísimo Cristo de la Sangre 2.
Stierkampfarena goes Kultur
Vom Burghügel haben wir sie schon gesehen: Malagas Arena, die wie ein Boomerang vor dem Hafen liegt. An den Außenwänden wirken nostalgische Schwarz-Weiß-Grafitti wie ein Abgesang auf den Stierkampf. Tatsächlich findet er hier nur sporadisch statt (April / August). Stattdessen wurde die Arena zum Kulturzentrum. In hellen Katakomben finden große Ausstellungen statt, z.B. die feministisch inspirierte „Womankind“ oder das „Verborgene Spanien“ von Cristina Garcia Rodero. Und in der Arena, die 10.000 Zuschauern Platz bietet, wird oft Musik gemacht. Centro Cultural La Malagueta, Eingang Paseo de Reding puerta 9.
Boots-Trip – raus aufs Wasser

Vor dem Centro Pompidou liegen kleine Schiffe, die bei gutem Wetter zu 60- bis 90minütigen Touren starten – mehrmals am Tag, zuletzt zum Sonnenuntergang. Zu sehen gibt es außer Container-Molen und Hafenkränen allerdings nicht viel. Trotzdem ist es mal ganz nett, sich die Brise um die Nase wehen zu lassen und die Stadt vom Wasser aus zu betrachten. www.city-sightseeing.com (>Bootstour Malaga), www.mundomarino.es, www.fly-blue.es.
Weitere Kulturorte mit viel Programm
Centro Cultural MVA, Calle Ollerías 34, Ateneo de Málaga, Calle Compañía 2, La Térmica, Avenida de los Guindos 48, Centro Cultural Fundación Unicaja, Plaza del Obispo
Unterkunfts-Tipp: Hotel Molina Lario
Die halbe Altstadt wird über Airbnb & Booking vermietet, Hotelketten von AC Marriott bis Room-Mate sind präsent. Uns gefiel das traditionsreiche und persönlich geführte Hotel Molina Lario. Es bietet sogar Touren an – Malaga Kunst und Kultur sind hier angesagt!
In diesem Viersternehotel stimmt alles: eine warmherzige Begrüßung am Reception Desk, dann ein großes Zimmer, modern-elegant eingerichtet. Der Blick reicht über das Grün des Parks bis zu den Kreuzfahrtschiffen im Hafen. Extras wie eine Nespresso-Maschine, Bademäntel und ein Women’s Kit zeigen, dass hier an alle Bedürfnisse gedacht wird. Das Frühstücksbüfett (inkl. frisch gepresstem O-Saft und Malaga-Spezialitäten) kann auch draußen auf der Terrasse eingenommen werden.

Nach dem Frühstück kann die Stadterkundung beginnen – alle Sehenswürdigkeiten liegen vor der Haustür! Myriam Ortiz, die engagierte Direktorin, möchte, dass sich die Hotelgäste als Teil Malagas fühlen, als Insider ins Stadtleben eintauchen. Deshalb bietet sie Kultur-Touren mit einem Führer an, der spezielle Facetten Malagas beleuchtet. So könnt Ihr die Stadt z.B. auf den Spuren wichtiger (oft vergessener) Frauen entdecken und Vieles über Alltagskultur gestern und heute erfahren. Übrigens engagiert sich Señora Ortiz auch sonst für das weibliche Geschlecht. So lädt sie Frauen aus Tech- und anderen, ‚frauenfremden‘ Berufen ins Hotel, auf dass sich junge Malagueñas damit vertraut machen können…
Müde vom Kulturtrip? Dann hinauf zur Rooftop-Bar mit Pool! Hier lässt es sich herrlich chillen, zum Sonnenuntergang scheint die gegenüberliegende Kathedrale zu glühen. Am Wochenende werden zu Live Musik fantasievolle Signature Cocktails serviert, z.B. Malaga Thai mit den Likörweinen Pajarete und Pedro Ximénez. Salud!
Hotel Molina Lario, Calle Molina Lario 20, Tel. 0034-952 06 20 02, , 103 Zimmer
Essen gehen
Die Altstadt ist voller Tapas-Bars. Am Strand kann man urig in Terrassenlokalen essen, Sardinen brutzeln an improvisierten Grillstellen. Einen Michelin-Stern hat das folgende Restaurant verdient:
Restaurante Matiz

Kreative andalusische Küche in elegant-informellem Ambiente: Das ist Matiz, das zu den 100 besten Restaurants Spaniens zählt. Für Tiefenentspannung sorgen ein stimmungsvoller Patio und eine schöne Terrasse. Als beste Tapa Andalusiens prämiert sind Buñuelos: mit warmem, cremigen Ziegenkäse gefüllte Krapfen, die als one-bite eine süß-säuerliche Geschmacksexplosion auslösen. Als bestes Ziegengericht gilt Canelón de chivo malagueño: Zicklein mit Portobello-Pilzen und Ziegenkäse, der vor dem Gast durch Feuer zum Schmelzen gebracht wird.
Wer eine Slow Food Erfahrung genießen will, bestellt das Degustationsmenü, am besten mit Wine Pairing regionaler Tropfen. Elf optische wie geschmackliche Kunstwerke werden serviert, die auch langfristig Freude machen (keine Verdauungsprobleme, kein Kater). Das tolle Team, das sichtbar Freude am Schauspiel hat, macht das Dinner perfekt. Matiz, Calle Bolsa 14, tgl. 8-24 Uhr
Café Dulces & Dreams – unser Lieblingscafé

Gegenüber der Märtyrer-Kirche: Guter Kaffee in vielen Varianten, gesunde, liebevoll zubereitete und reichhaltige Frühstücksgedecke, dazu Smoothies, Sandwiches und hausgemachte Torten – dies alles in einem locker-freundlichen Ambiente mit recycltem Mobiliar und Kunst an der Wand. Café Dulces & Dreams, Plaza de los Mártires 6, tgl. 8-22 Uhr. Tipp: Übrigens ist ans Café Dulces & Dreams eine schöne Unterkunft angeschlossen!
Gleich daneben: das Bad Hamam Al-Andalus , das mit Mudejar-Decken und maurischem Stuck an Malagas arabische Epoche anknüpft. Hamam Al-Andalus, Plaza de los Mártires 5.
INFOS
Die zentrale, kompetente (und schöne) Touristeninfo findet ihr an der Plaza de la Marina (Tel. 0034-951 92 60 20.
Events & Kulturveranstaltungen
Málaga Pass: Es gibt ihn für 24, 48 und 72 Std. sowie für eine Woche: Der Malaga Pass rabattiert Eintritt in viele Museen und Monumente (die Kathedrale ist nicht inkl.).
Sightseeing Bus: Halbstündlich fährt der Doppeldecker Málagas zentrale Sehenswürdigkeiten an. Mit dem einmal gelösten Ticket kann man an 30 Haltestellen aus- und später wieder einsteigen (24 bzw. 48 Std. gültig, inkl. Audioguide auf Deutsch)

Weitere Hintergrundinfos zur Geschichte der Stadt, zahlreiche Gastro- und Unterkunftstipps hält der City-Trip Malaga von Hans-Jürgen Fründt bereit.



















































































































Phantastische Tipps und inspirierende Kulturhinweise! Am liebsten würde ich sofort in den Flieger nach Malaga steigen!
Herzlichen Dank für Deinen Enthusiasmus!
Am liebsten würde ich gleich auf euren Spuren die Stadt erkunden. Eure vielfältigen Informationen und schönen Fotos wecken Neugier auf Malaga. Danke!
Liebe Marita, danke für Deinen schönen Kommentar!
Sehr interessant! Ein guter Tipp ! Die tollen Fotos machen Appetit.
Vielen Dank für Deine netten Worte!
Auch wenn ich deinen ausfühlichen Artikel nur überflogen habe, hsbe ich sofort Lust bekommen diese Stadt zu erkunden.